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Im Gespräch

Kunstsymposion 2018

Alexander Starke, Ansprechpartner für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der Stadt im Gespräch mit Marc Kersting, Vorsitzender des Vereins zur Förderung von Kunst und Kultur und Bürgermeister der Stadt Süßen, und Martin Bauch, Initiator und Organisator für den Kunstverein zum Kunstsymposion 2018.
 
Alexander Starke: Was steht im Vordergrund dieses Symposions in Süßen ab 1. September?
 
Martin Bauch: Werner Meyer der Leiter der Kunsthalle Göppingen überschrieb 1987 einen Beitrag im Katalog zum 3. Dorfsymposion mit „Der Dialog könnte beginnen…“ Damals wurde deutlich, dass sich doch viele Passanten schwer tun damit, dass Studierende der Akademie der bildenden Künste Stuttgart sich mit vielfältigen und nicht nur schnell verstehbaren Ausdrucksformen präsentiert hatten. Kritische Anfragen wurden gestellt, andere fanden es toll, dass in einem doch relativ kleinen Ort Raum für solche Experimente gegeben wurde. Der damalige Kulturredakteur der NWZ Heinrich Domes gehörte zu den Befürwortern und lobte diese Annäherung an künstlerisches Schaffen in Süßen. Nun soll es wieder um Herausforderungen an unser Sehen, Erleben, an unser Denken über die Bedeutung von Kunst und Kultur gehen bei der Ausstellung „Aktuelle Wege“ im Rahmen des Symposions 2018. Es geht um Einladung zum Dialog und für manche um Wiederbegegnung mit Kunstschaffenden, die sie vor über 30 Jahren als Studierende kennenlernen konnten.
 
Alexander Starke: Was ist neu bei diesem Symposion?
 
Marc Kersting: Dieses Mal wird nicht der Schaffensprozess unmittelbar vor Ort wie bei den Dorfsymposien der 1980er-Jahre erlebt werden können. Dafür werden andere Angebote gemacht: Jede Künstlerin bzw. jeder Künstler stellt uns beispielhaft für deren Schaffen eine Arbeit für die Ausstellung zur Verfügung als Anstoß zum Nachspüren.Tägliche Künstlertreffs um 18.00 Uhr, bei denen Künstler sich vorstellen und sich den Fragen stellen. Eine Auswahl an Katalogen steht bereit, um Interessierten einen weiteren Einblick zu bieten. Videos und Filme können über die Arbeitsweise und Arbeiten einzelner Künstlerinnen und Künstler weiter Auskunft und Einblick geben. Neu ist auch, dass viel mehr Mitglieder und Interessierte mithelfen werden und mithelfen müssen, wenn dies gelingen soll. Derzeit ist im Rathaus ist beispielsweise zu sehen, wie sich das Mitglied Andreas Weidmann, Fotograf aus Süßen, mit den damaligen Arbeiten auseinandergesetzt hat und großflächige Collagen für zwei Litfaßsäulen geschaffen hat. Erinnerung soll Anstoß für einen Besuch geben.
 
Alexander Starke: Ich gehöre der jüngeren Generation an, gibt es auch etwas für mich als jungen Erwachsenen?
 
Marc Kersting: Wir bieten zum Beispiel auf unserer Hompage „kunstsymposion.suessen.de“ ein dreidimensionales PDF-Dokument über ein Kunstwerk von Ekkehart Panek an. Haben Sie schon einmal eine Skulptur in einer PDF gedreht und gewendet? Wohl kaum, Künstlerinnen und Künstler beschäftigen sich mit Internet, neuen Medien, so wird auch eine Videoarbeit von Martin Conrath und Marion Kreißler dabei sein, in Filmen wird deutlich, wie weißes Licht als bildhauerisches Element ein neues Sehen erlaubt. Letzteres haben wir Kunstvereinsmitglieder im Juni bei einem Besuch des Münsterscannings des Künstlers Joachim Fleischer in Ulm bei Nacht faszinierend erleben dürfen.
 
Alexander Starke: Hat Kunst heute eine besondere Bedeutung?
 
Martin Bauch: Unsere Einladung zum Dialog kann uns helfen. Die Auseinandersetzung mit vielfältigen künstlerischen Aussagen kann uns nur helfen bei dem schnellen Wandel unserer Gesellschaft und unserer Sprachlosigkeit bei modernen Phänomenen. Unsere Welt wird beherrscht von Bildern und der Aufforderung zu Konsum und individueller Selbstverwirklichung. Gerade mit den vielen Kunstwerken, die ein weites Spektrum von Kunst erkennen lassen wird jeder, der sich dafür Antennen bewahrt hat, Ansätze zum Verstehen und zum zweiten Blick auf abstrakte, figürliche oder gesellschaftliche Phänomene finden. Mich fasziniert, dass sich heute Künstlerinnen und Künstler sich immer weniger auf einzelne Ausdrucksgattungen wie „Skulptur“, „Performance“ „Installation“ usw. festlegen lassen. Sie arbeiten vielfältig. Sie loten aus, wie sie ihre Empfindungen, Vorstellungen, Denken und Konzepte am besten ausdrücken können und entscheiden sich dann für eine Ausdrucksform. Zeichnung, Malerei, Siebdruck gehören auch für die dazu, die Skulpturen schaffen aus Holz, Stahl oder Metall. Design und Möbelkonstruktion, Performance, Installation werden je nach Konzept und Idee gleichberechtigt gewählt. Der Umgang mit Farben und Formen, mit Worten und deren Umsetzung, mit Kräften im Material wie Stahl, mit Gewalt und Krieg, mit Zeichen, mit Licht und Bewegung, figürlicher und abstrakter künstlerischer Aussage werden uns begegnen.
 
Alexander Starke: Vielen Dank für den Impuls.